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Honduras

Wenn man sich die Statistiken und Berichte anschaut, findet man tausend Gründe, nicht nach Honduras zu gehen. Wir wagen es trotzdem und entdecken ein Land voller Natur, Kultur und… Campingplätzen?!


Nachdem wir bereits an der salvadorianischen Grenze versäumt haben, die temporäre Importbescheinigung zu annullieren, treten wir in Honduras gleich ins nächste Fettnäpfchen. Um die Pandemie einzudämmen, verlangt das Gesundheitsministerium, dass jeder Tourist vor der Einreise ein Onlineformular zum aktuellen Gesundheitszustand ausfüllt. Ein Multiple-Choice Fragebogen, den wir schon einige Tage zuvor innert zwei Minuten ausgefüllt und abgeschickt haben. Als und die Beamtin nun aber nach dem Nachweis fragt, stehen wir mit leeren Händen da. Gewöhnt daran, dass nach dem Absenden des Formulars eine automatische Bestätigung per E-Mail geschickt wird, haben wir den Hinweis, man solle ein Print-Screen der letzten Seite machen, schlichtweg nicht gelesen. Wir fragen, ob sie nicht einfach nach unserem Namen oder Passnummer im System nachschauen kann, aber die etwas grimmig dreinblickende Beamtin bleibt hartnäckig. Mühsam füllen wir das Formular bei sengender Hitze auf unseren Handys noch einmal aus und achten dieses Mal darauf, von jeder erdenklichen Nummer einen Print-Screen zu machen. Der Rest des Grenzübergangs verläuft dann zum Glück störungsfrei.

Als wir das kleine Grenzdorf verlassen, trauen wir unseren Augen kaum. Ein richtungsgetrennter, zweispuriger, frisch asphaltierter Highway ohne jeglichen Verkehr tut sich vor uns auf. In einem der ärmsten Länder Lateinamerikas ist das wohl so ziemlich das Letzte, womit wir gerechnet haben. Mit rekordverdächtigen 90 km/h brettern wir über die Piste und machen nach kurzer Zeit Fahrerwechsel, denn bei diesen Strassenverhältnissen lässt es sich Livia nicht nehmen, sich auch wieder mal hinters Steuer zu setzten. Eine Premiere, seit wir unsere Reise zum zweiten Mal angetreten haben.

Nachdem wir stundenlang durch flaches Niemandsland gefahren sind, schlängeln wir uns nun nach und nach durch immer bergiger werdende Landschaften, bis wir schliesslich an unserem Tagesziel Zambrano ankommen. Wir sind bei der Auswahl unserer Schlafplätze etwas vorsichtiger als sonst. Honduras hat eine der höchsten Kriminalitätsraten weltweit. Über 80 % der Bevölkerung lebt an oder unter der Armutsgrenze und viele Landesteile werden von äusserst gewalttätigen Banden terrorisiert. Die meisten Leute, die wir unterwegs kennengelernt haben, fahren deshalb nonstop durch das ganze Land, um in Nicaragua so schnell wie möglich wieder in sichereres Fahrwasser zu gelangen. Wir möchten Honduras eine Chance geben, ganz kaltlassen uns die Statistiken und Berichte natürlich trotzdem nicht. Deshalb geben wir acht, dass wir immer einen sicheren Übernachtungsplatz haben. Heute ist es der Parque Aurora. Am Eingang des umzäunten Parks erledigen wir die Gästeregistrierung, als wäre es der Check-in in einem Hotel. Danach fahren wir in eine Campinganlage, die aussieht, als wäre sie Stein für Stein aus Kanada importiert worden. Nummerierte Stellplätze, ein überdachter Tisch, Bänke, eine Feuerstelle und das ganze eingebettet in einem lichten Nadelwald. Wir müssen schmunzeln, freuen uns aber auch, dass uns durch die vertraute Umgebung die Anspannung genommen wird. Das Nachtessen wird dann als Hommage an die vergangenen Zeiten in Kanada auf dem Lagerfeuer zubereitet. Wir sind positiv überrascht von Honduras. Gute Strassen, nette Leute, die sich ehrlich darüber freuen, wenn sie wieder mal Touristen sehen und nun fahren wir auch noch in eine Stadt ein, die vor Charme nur so strotzt. Melvan stellen zwar doch lieber auf einem bewachten Parkplatz ab, danach laufen wir aber zu Fuss in das Zentrum von Comayagua. Wir machen einige Besorgungen und legen eine kurze Pause in einem Café ein, bevor es weiter zum Nationalpark Cerro Azul Meámbar geht.

Die letzten Kilometer der steilen Schotterstrasse fahren wir in strömenden Regen. Froh darüber, nach einem langen Tag endlich unser Ziel erreicht zu haben, melden wir uns beim Besucherzentrum an und beziehen unseren Stellplatz. Keine zehn Minuten später scheint die Sonne und wir unternehmen wieder Erwartens noch eine kleine Wanderung durch den Regenwald, um uns nach der langen Fahrt ein wenig die Beine zu vertreten.

Am Abend müssen wir feststellen, dass wir kurz davor sind, den nächsten Grenz-Fauxpas zu begehen. Für die Einreise nach Nicaragua hätten wir eigentlich 6 Tage zuvor ein Onlineformular ausfüllen müssen. Wir planen aber schon in zwei Tagen an der Grenze zu sein. In der Hoffnung, dass die Beamten in Nicaragua sich etwas gütiger als die Dame in Honduras zeigen, schicken wir die Formulare noch spätabends ab und fallen danach todmüde ins Bett.

Die grosse Runde, das eigentliche Highlight des Nationalparks, haben wir uns für den nächsten Tag aufgespart. Wir stehen um 6 Uhr auf, schultern den Rucksack und machen uns auf den Weg. Wir haben Glück mit dem Wetter und schlängeln uns bei Sonnenschein den schmalen Pfad durch den ansonsten unberührten Dschungel vorbei an einer Pflanzenwelt, die wir so zuvor noch nie gesehen haben. Zurück beim Visitor Center schauen wir noch kurz den Kolibris zu, wie sie über den Futterspendern zu schweben scheinen, hüpfen kurz unter die Dusche und machen uns dann auf den Weg nach Valle de Ángeles, unserem letzten Halt in Honduras.

Auch hier treffen wir auf eine süsse, kleine Kolonialstadt mit Souvenirläden und Restaurants. Wir suchen uns ein Tisch in letzterem und bestellen uns, wer hätte gedacht, dass es sie auch hier gibt, unsere Lieblingsspeise aus El Salvador, Pupusas!

Der Campingplatz, auf dem wir die Nacht verbringen, liegt etwas ausserhalb der Stadt und ist, ähnlich wie der Erste, mit allem ausgestattet, was das Camperherz begehrt. Heute verzichten wir allerdings auf ein Feuer und gehen stattdessen nochmal all unsere Dokumente durch, die wir für den morgigen Grenzübertritt brauchen. Gut vorbereitet ist halb gewonnen.

So gut die Strassen in Honduras angefangen haben, so schlecht hören sie auf. Im Schritttempo versuchen wir auf der mit Schlaglöchern übersäten Strasse unbeschadet vorwärtszukommen. Kurz vor der Grenze stauen sich dann auch noch die Lastwagen links und rechts am Strassenrand. Kein ungewohnter Anblick, allerdings werden wir, als wir passieren wollen, von den Truckern angehalten. Ein Lastwagen hat sich ganz vorne an der Schlange festgefahren, was eine Kettenreaktion von komplett falsch geparkten 40 Tönnern zufolge hatte. Diese müssen jetzt erst mal in Ordnung gebracht werden, weshalb wir uns für die letzten zwei Kilometer wie die Maus in einer Elefantenherde von Lücke zu Lücke kämpfen und bis zur Grenze über zwei Stunden brauchen. Heilfroh, dass der Austritt aus Honduras nur halb so lange dauert, fahren wir weiter und parken Melvan vor den zu Bürogebäuden umfunktionierten Schiffscontainern. Die Grenze von Nicaragua.


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