Santuario Mariposa Monarca

Mexico te amo! So divers wie das Land, ist auch die Flora und Fauna. Vom Buckelwal zum Schmetterling, wobei wir nun auch aus eigener Erfahrung sagen können, dass das eine nicht weniger eindrücklich sein muss als das andere.

Auch wenn wir uns in San Miguel de Allende schon beinahe heimisch fühlen, treibt uns ein grosser Punkt auf unserer To do List weiter. Jedes Jahr wandert beinahe die gesamte Population der Monarch Falter von Nordamerika in die Sierra Madre in Michoacán. Obwohl der Monarch Falter zu einem der best erforschten Schmetterlinge weltweit gehört, können sich Wissenschaftler nach wie vor nicht erklären, wie die Edelfalter jedes Jahr an genau denselben Ort finden. Das interessante dabei ist, dass sie es nicht aus eigener Erfahrung wissen können, da die Wanderung über Generationen dauert. Forscher vermuten, dass die Information im Erbgut weitergegeben wird, beweisen konnte das bis jetzt allerdings noch niemand.

Aber ich schweife ab. Das hier soll schliesslich kein wissenschaftlicher Beitrag für die Lepidopterologie werden, sondern ein Reiseblog und genau die Reise ist es, was uns anfangs die grössten Sorgen bereitet hat. Denn vor dem Bundesstaat Michoacán wurden wir in Bezug auf erhöhte Kartell-Aktivitäten schon mehrfach gewarnt. Tatsächlich nimmt die Qualität der Strassen mit jedem Kilometer weiter in den Bundesstaat ab und auch die Dörfer, welche wir durchqueren, scheinen, von Armut geprägter als andere Teile Mexikos.

Dummerweise verlassen wir uns genau an diesem Tag blind auf Google Maps und landen prompt auf einem einsamen Pfad mitten durch einen verlassenen Wald. Ein Fehler, den wir nicht so schnell wieder machen, denn nach sicher zwei Stunden rüttel Partie kommen wir endlich an unserem Ziel, dem Bioreservat, an und sehen zu unserem Erstaunen einen perfekt asphaltierten Weg, der dorthin geführt hätte.

Es dunkelt bereits ein als wir unser Camp für die Nacht auf dem Parkplatz am Eingang zum Reservat aufschlagen nachdem uns ein Parkmitarbeiter sowohl das OK als auch das Versprechen gegeben hat, dass wir hier für die Nacht sicher sind. Kaum ist die Sonne weg wird es kalt. Nicht einfach das «unser Körper hat sich an 30 Grad gewöhnt» Kalt, sondern richtig kalt. Wir wappnen uns mit langen Unterhosen und unseren flauschigsten Pullovern für die Nacht und gehen früh ins Bett. Am Morgen bringen wir dann auch prompt die Tür nur mit Gewalt auf, da das gesamte Auto über die Nacht zugefroren ist!

Nach ein paar Hampelmännern und einem heissen Tee machen wir uns auf dem Weg zu den Schmetterlingen und fragen uns schon ein bisschen, weshalb sie aus all den schönen und vor allem warmen Wäldern in Mexiko genau den aussuchen mussten, der auf über 3000 M.ü.M. liegt. Leider (oder zum Glück?) ist Livias Zeh immer noch ein wenig angeschlagen und so fackeln wir nicht lange rum, als uns ein Touristenführer anbietet, die Wanderung mit seinem Gaul zu machen und obwohl wir beide weder grosse Fans von solchen Touristenfallen als auch nicht die grössten Pferdeliebhaber sind, hat es schon was Mystisches, früh morgens durch den von Nebelschwaden durchzogenen Wald zu reiten.

Eines verwundert uns allerdings mehr und mehr. Wir sehen keinen einzigen Schmetterling. Auch als wir laut unserem Tourguide nur noch wenige hundert Meter vom Ziel entfernt sind, haben wir kein einziges Exemplar entdecken können. Sind wir hier einem gross angelegten Schwindel aufgesessen? Oder sind sie vielleicht schon weitergezogen?

Skeptisch steigen wir von unseren Pferden, um die letzten Meter an einem steilen Stück den Berg hinaufzusteigen, da sehen wir diese Bäume, die sich vom Rest des Nadelwaldes unterscheiden. Wie an einer Trauerweide hängen die Äste schlaff dem Boden entgegen und erst bei näherer Betrachtung bemerken wir den Grund dafür. Zu tausenden hangen die Monarchfalter an den Ästen, dicht an dicht, um sich gegenseitig wärme zu spenden und als kollektiv dem eisigen Wind weniger Angriffsfläche zu bieten. Die eigentliche Magie beginnt allerdings erst einige Minuten später. Als die ersten Sonnenstrahlen auf die riesigen Klumpen an den Ästen treffen, kommt plötzlich Leben in die Sache. Ein Falter nach dem anderen lässt sich aus seinem Schlafplatz fallen und schon bald finden wir uns inmitten von einem orange-schwarzen Wirbelsturm. Perplex von so viel Schönheit und diesem ungestümen Tanz aus Leben um uns herum kommen wir aus dem Staunen nicht mehr raus.

So ist es auch der Tourguide, der uns nach geraumer Zeit höflich darauf hinweist, es sei Zeit langsam wieder zurückzukehren. Wir schwingen uns auf die Rösser und traben gemütlich den Berg hinab.

Unten angekommen danken wir unserem Guide das fabelhafte Erlebnis mit einem saftigen Trinkgeld und suchen uns einen Platz bei einem der Restaurants, denn mittlerweile ist es Mittag und wir brauchen nicht nur etwas in den Magen, sondern auch etwas Zeit um das gerade eben erlebte zu verdauen. Was für ein Naturspektakel!

Von den natürlichen Wundern geht es nun weiter zu einem, das von Menschenhand geschaffen wurde. Die Stadt Teotihuacán, ein weiteres UNESCO-Weltkulturerbe, das wir auf unserer Reise durch Mexiko besuchen werden, aber mehr dazu im nächsten Beitrag.