Guanajuato

In den Bergen tauschen wir T-Shirt gegen Pullover und grenzenloser Freiheit gegen einen Stundenplan, lernen viel über die Geschichte Mexicos und frischen unsere Sprachkenntnisse ein wenig auf.

Kaum einen Monat in Mexico und schon kommen die ersten Abschiede, die uns schwerfallen. Zum einen trennen sich die Wege von Laura, Francisco, Saxa und uns, die wir in den letzten Tagen / Wochen sehr ins Herz geschlossen haben. Zum anderen kehren wir der Küste und somit auch dem Meer, Strand und den heissen Temperaturen den Rücken zu; vorübergehend zumindest. Unsere Route führt uns wieder Richtung Inland und vorbei an einigen kulturellen Highlights von Mexico. Dafür heisst es aber erst mal ganz schön lange Autofahren.

Nach einer langen Umarmung und einem starken Kaffee machen wir uns auf den Weg und wir haben Glück, denn der Highway von der Küste ins Landesinnere ist im Gegensatz dazu, wie wir an die Küste gekommen sind (holly molly), grösstenteils gerade und hat zwar eine stetige, aber dafür geringe Steigung. Auch die Navigation zu unserem Zielort ist relativ einfach. Vier Stunden geradeaus, dann rechts, nochmal eine Stunde geradeaus, fertig. Leider verpasst meine Copilotin die einzige Abzweigung der gesamten Strecke und so schmeissen wir unsere Pläne für die Übernachtung kurzerhand über den Haufen und fahren weiter nach Rocca Azul, einem Campground, auf dem wir bereits waren.

 

Zwei Tage mit langen und anstrengenden Fahrten liegen hinter uns, als wir an unserem ersten Etappenziel ankommen. Hello Guanajuato! Die ehemalige Minenstadt liegt eingebettet in Bergen auf beinahe 2000 Metern über Meer. Entsprechend ist das Klima einiges frischer, als wir es uns bisher von Mexico gewohnt sind, das tut der Faszination, die uns überkommt, während wir in die Stadt hineinfahren, jedoch keinen Abbruch. Die geschichtsträchtige Stadt hat es unlängst und nicht zuletzt dank ihrer farbigen Häuser, die sich die steilen Gassen hinauf schlängeln und dem komplexen Tunnelsystem, das unter der Stadt hindurchführt, auf die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe geschafft. Wir sind baff.

Aber wir sind nicht (nur) zum Staunen hier, sondern um zu lernen! Richtig gehört. Nachdem uns die Motivation Spanisch zu lernen in der Schweiz so schnell verblasst ist wie unsere Sommerbräune, haben wir uns hier für eine Woche Intensivkurs in einer Sprachschule angemeldet. Da der einzige Campground etwas ausserhalb der Stadt lag und Livia wegen ihres gebrochenen Zehs nicht gut zu Fuss ist, haben wir uns ausserdem ausnahmsweise eine Unterkunft gemietet, die sich gleich neben der Schule befindet.
Dort angekommen, richten wir uns erst mal ein. Schnell merken wir, dass wir es uns nicht mehr gewohnt sind, aus einer Reisetasche zu leben. Ständig fällt uns was auf, dass wir im Auto vergessen haben. Zum Glück ist der Parkplatz gleich ausserhalb des Hauses, trotzdem wünschten wir uns abgesehen von der warmen Dusche und einem Klo, wir könnten im Van schlafen. Wie schnell man sich doch an Dinge gewöhnt.

Erste Schultage werden auch mit dem Alter nicht besser. Erst recht nicht, wenn das Erste was wir tun müssen, einen Test zu schreiben. Unser Wort, dass wir absolute Einsteiger sind und einfach bei null anfangen sollten, lässt der Schulleiter nicht gelten und so versagen wir beim Einstufungstest, wie zu erwarten, kläglich. Weiter geht es mit insgesamt vier Stunden Grammatik, Wortschatz und Konversation und einer Menge Hausaufgaben. Unser Lehrplan für die nächsten fünf Tage. Völlig ausgelaugt kommen wir von unserem ersten Schultag nach Hause und legen uns erst mal hin. Einen geschafft, vier kommen noch.

Während Livia nachmittags wegen ihres Zehs oft zu Hause bleibt und an unseren Hausaufgaben arbeitet, die ich danach abschreibe (manche Sachen ändern sich nie), erkunde ich die Stadt auf eigene Faust. Hier, mitten in den Bergen, hat die erste Schlacht um die Unabhängigkeit Mexicos von den Spaniern stattgefunden. Entsprechend viele historische Museen und kulturelle Schauplätze gibt es in Guanajuato zu besichtigen, aber es lohnt sich auch einfach mal durch die schmalen Gässchen zu spazieren oder es sich auf einer Parkbank in einem der Plazas gemütlich zu machen und das bunte Treiben zu beobachten.

So lassen wir es uns auch nicht nehmen, am Freitagnachmittag, unseren letzten Schultag mit einer Runde Margheritas zu feiern, denn schliesslich gehört auch Tequila zum mexikanischen Kulturgut. Alt zu spät sollte es dennoch nicht werden, denn morgen geht es weiter nach San Miguel de Allende, dem nächsten Stopp unserer «Kulturreise» durch Mexiko, aber mehr dazu nächstes Mal. Salud!