Baja California

Endlich Mexiko! Nach sieben Monaten unterwegs schaffen wir es in das nun dritte Land unserer Reise und werden sogleich mit tausend Eindrücken überhäuft.

Das Herz pocht, die Hände schwitzen und die Augen versuchen alles zu erfassen, was um uns geschieht. Der Grenzübergang ist soweit reibungslos verlaufen, dennoch sind wir deswegen noch merklich angespannt und auch die tausend neuen Eindrücke um uns herum, vor allem die Strasse, fordern 110% unserer Aufmerksamkeit. Eine halbe Stunde später hat sich zum Glück jegliche Aufregung gelegt. Auch wenn der Verkehr nicht ganz so geregelt wie in den USA verläuft, so ist er bei weitem nicht so schlimm, wie er uns immer beschrieben wurde. Die Mexikaner sind äusserst rücksichtsvolle Autofahrer und die Strassen, bis auf ein paar Schlaglöcher, einwandfrei. Wir fahren direkt weiter nach Ensenada, dem nächst grösseren Ort nach Tijuana. Dies wurde uns von fast allen Reisenden empfohlen, da letzteres ziemlich kriminell und deshalb zu meiden sei. Ob dem tatsächlich so ist, können wir nicht beurteilen, soviel wir allerdings bei der Durchfahrt vom Fenster aus beobachten konnten, handelt es sich bei Tijuana um eine ganz normale Stadt, in der Menschen arbeiten, leben und lachen; von Kriminalität keine Spur.

 

In Ensenada angekommen, kaufen wir uns als Erstes eine SIM-Karte, denn unsere amerikanische Nummer haben wir bereits gekündigt und wir wollen im Notfall telefonieren können. Bei Telcel, einer der grösseren Telecom-Anbietern von Mexico, bekommen wir nach nicht mal 10 Minuten die gewünschte Karte mit Abo und das ganz ohne Vertrag. Wir sind von der unbürokratischen Abwicklung begeistert, merken aber auch, dass wir dringend unsere Spanischkenntnisse auf Vordermann bringen müssen, denn Englisch können bereits so kurz nach der Grenze die Wenigsten. Auch der Campingplatzbesitzer, den wir wenig später antreffen, spricht nur Spanisch. Gott sei Dank haben wir nun wieder Internet und einigen uns mithilfe von Google Translate auf einen Preis. Völlig fertig von den vielen neuen Eindrücken, der langen Reise und unseren ersten Spanischversuchen geniessen wir den Sonnenuntergang und legen uns wenig später ins Bett.

Weiter geht’s auf der MEX 1 Richtung Süden. Erst müssen wir aber noch tanken, denn die Distanzen zwischen den Tankstellen, so wurde uns gesagt, sind ziemlich weit. Wir stellen Melvan vor der Tanksäule ab, geben dem Tankwart den Schlüssel und dieser erledigt die ganze Arbeit für uns. Wir bleiben einfach im Auto sitzen und lassen uns bedienen. Was für die Mexikaner zum Alltag gehört, fühlt sich für uns noch sehr merkwürdig an und so müssen wir schon ein wenig schmunzeln, als uns das EC-Gerät durch das heruntergelassene Fenster gereicht wird. Was für ein Service!

 

Vollgetankt geht es also weiter auf den einsamen Strassen der Baja California. Wir sind, abgesehen von ein paar wenigen Lastwagen und anderen Touristen, alleine auf der Strasse. Schon bald geraten wir an die erste Militärkontrolle. Auch vor diesen Checkpoints wurden wir immer wieder gewarnt, denn die Soldaten versuchen angeblich mit Trickbetrug und Diebstahl ihren bescheidenen Lohn etwas aufzubessern. Super nervös fahren wir an den schwer bewaffneten Soldaten vorbei und werden natürlich prompt aufgefordert, anzuhalten und auszusteigen. Der freundliche Soldat fragt uns (auf Englisch!) woher wir kommen, wohin wir gehen, möchte noch einen kurzen Blick in unser Auto werfen und verabschiedet uns dann mit einem lächeln. Unsere Vorstellungen vom korrupten und gefährlichen Mexiko, die uns von Menschen aller Welt (ausser halt von Mexikanern) in den Kopf gepflanzt wurden, fangen immer mehr an zu bröckeln.

 

So geht es nicht lange bis wir uns wieder trauen wild, dass heisst nicht auf einem Campingplatz, zu übernachten. An der Pazifikküste haben wir, unweit der Hauptstrasse, einen wunderschönen Ort entdeckt, an dem augenscheinlich schon viele andere Overlander übernachtet haben und beschliessen dort Silvester zu verbringen. Kaum ausgestiegen, werden wir von drei verspielten Strassenhunden begrüsst, die uns noch den gesamten Abend unterhalten sollten. So sitzen wir in unseren Stühlen, schauen der Sonne zu wie sie untergeht, lassen unser 2019 Revue passieren und werfen den Hunden Stöckchen, bis das Jahr zu Ende geht.

Obwohl die USA und Mexiko in vielerlei Hinsicht unterschiedlicher nicht sein könnten, so hat sich die Landschaft bis anhin kaum verändert. Bereits in Kalifornien sind wir durch diese kargen, felsigen Küstenlandschaften gefahren, die uns seither begleiten. Umso mehr sind wir begeistert, als wir die ersten Riesen-Kakteen sehen. Endlich ein echtes Wahrzeichen Mexikos! Die Ungetüme, die wie grüne, astlose Baumstämme zum Teil 20 Meter hoch in der Landschaft stehen, beeindrucken uns sehr. Wir bahnen uns einen Weg durch die Büsche und vorbei an den Sandhaufen um neben einem der grösseren Exemplare eine kurze Pause einlegen zu können und Melvan beweist sich ein Mal mehr als Offroad-tauglicher als gedacht. Noch rasch ein paar Fotos geknipst und weiter geht’s Richtung Guerero Negro. Da sich dieses kleine Fischerdörfchen allerdings schon in Baja California Sur, und somit im nächsten Bundesstaat befindet, muss dieser Bericht wohl bis zum nächsten Blogbeitrag warten.