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Yucatan

Neuer Tag, neuer Bundesstaat! Heute geht es weiter nach Merida, Yucatan.


Dort haben wir einen Termin bei einem deutschen Mechaniker für einen Service vereinbart. Nicht dass wir den mexikanischen Mechanikern nicht trauen würden, aber die Sprachbarriere ist gerade bei technischen Dingen besonders gross. Da hilft es, dieselbe Muttersprache zu sprechen. Leider ist dieser mit seiner Arbeit etwas im Rückstand, bietet uns aber an, bei ihm in der Werkstatt zu campen und sich unserem Anliegen am nächsten Tag anzunehmen. Wir lassen also Melvan erst mal da und gehen mit dem Taxi in die Innenstadt. Auch in Merida finden wir Kolonialbauten, viele Restaurants, Bars und Märkte, die alles anbieten, was das Herz begehrt. Im Gegensatz zu Campeche scheint man hier aber nicht primär auf den Tourismus eingestellt zu sein, was uns sehr gefällt.

Als wir am nächsten Tag aufstehen, sehen wir unserem Mechaniker schon an, dass das heute wohl nichts wird aus unserem Termin. Mit schmerzverzerrtem Gesicht beichtet er uns, dass er sich gestern den Rücken verrenkt hat, uns wohl so schnell nicht mehr unter ein Auto kriechen wird. Wir ziehen also unverrichteter Dinge wieder ab, entscheiden uns aber dennoch eine weitere Nacht in Merida zu bleiben, heute allerdings auf einem Parkplatz im Stadtzentrum. Auf iOverlander (einer App von und für Camper) haben wir eine Veranstaltung ganz in unserer Nähe entdeckt, bei der traditionelle Tänze und Gesänge aufgeführt werden. „Noche Mexicana“ nennt sich das Ganze und wird vom Kulturministerium gesponsert, ist also vollkommen kostenlos. Wir ergattern uns noch zwei Plätze und lassen uns von den Künsten der passionierten Artisten mitreissen, als die Moderatorin dann aber nach fast zwei Stunden die Halbzeit verkündet, werfen wir das Handtuch und ziehen weiter in eine Bar. Schliesslich gehören hier auch Margaritas zum Kulturgut.


In den Städten staut sich die Hitze schon früh in den schmalen Gassen, weshalb wir schon frühmorgens leicht verkatert und übernächtigt ans Meer weiterziehen. In Celestun weht uns dann endlich eine leichte Brise entgegen. Auf der Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz fahren wir entlang einer schmalen Landzunge. Rechts das Meer, links die Mangroven. Der Weg wird immer schmaler und wir haben schon Angst uns festzufahren, da entdecken wir eine Bucht, die so aussieht, als wäre sie speziell für Camper gemacht worden und lassen uns nieder.

Für die nächsten Tage machen wir es uns hier gemütlich, schauen den Flamingos bei der Suche nach Krebsen zu, lesen viel und kühlen uns zwischendurch im Meer ab. Der karibische Vibe hat uns gepackt.

Irgendwann gehen uns aber die Essensvorräte aus und wir sind gezwungen weiterzuziehen. Schnell eingekauft, machen wir uns auf die Suche nach dem nächsten Südsee-Paradies uns werden auch glatt ein paar Kilometer weiter in Sisal fündig. Wir stellen Melvan direkt am Strand ab und stürzen uns ungeduldig ins Meer, denn draussen sind es beinahe 40 Grad. Nach der willkommenen Abkühlung legen wir uns an den Strand und können unser Glück über einen weiteren Traumstrand für uns alleine kaum fassen, da fängt es uns plötzlich wie verrückt an zu jucken. Als wir genauer hinschauen, erkennen wir dann auch weshalb. Wir werden gerade bei lebendigem Leibe von tausenden Sandflies verschlungen! In den Camper geflüchtet müssen wir feststellen, dass wir den fatalen Fehler gemacht haben, die Türe aufzulassen, als wir baden waren. Ohne Chance, die ungebetenen Gäste wieder loszuwerden, müssen wir die Flucht ergreifen. Schade, denn der Strand wäre umwerfend schön gewesen, wenigstens wissen wir jetzt aber, weshalb wir die einzigen Badegäste waren.

4Weil wir spät nachmittags losgefahren sind und es vermeiden, in der Dunkelheit zu fahren, verbringen wir die Nacht auf einem Parkplatz irgendwo in der Nähe einiger Hotelanlagen und fahren am nächsten Morgen früh weiter. Ein Campingplatz ein paar Stunden weiter östlich ist unser neues Ziel. Auf der Fahrt dorthin freuen wir uns, endlich wieder mal unter eine Dusche stehen zu können. Die letzten Tage musste Salzwasser reichen.

Wie so oft sind wir die einzigen Gäste und suchen uns den perfekten Platz zum campen aus. Erst mal eingerichtet, schnappen wir uns Shampoo und Seife und schrubben uns den Dreck der letzten Tage ab. Danach wiegen wir uns in unseren Hängematten sanft in den wohl verdienten Mittagsschlaf. Wellness mal anders.

Nach so viel Strand und Einsamkeit freuen wir uns, wieder mal eine Stadt zu erkunden. Izamal, auch die gelbe Stadt genannt, liegt etwas landeinwärts. Den Spitznamen, wer hätte es gedacht, hat sie von den ausschliesslich gelben Häuserfassaden. Ein witziges Detail, dass die Stadt zu etwas ganz Besonderem macht. Die Atmosphäre ist freundlich, auf den Strassen werden den Touristen Süssigkeiten und Kutschenfahrten angeboten und um jede Ecke, die wir gehen, sehen wir ein weiteres Fotomotiv wie aus dem Bilderbuch. Dennoch haben wir nach ein paar Stunden genug vom Disneyland Feeling und fahren weiter zu unserem Übernachtungsplatz ins nahegelegene Valladolid.

Unser Campground in Valladolid ist wohl der Inbegriff von Glamping. Wir stehen mit Melvan direkt an einem Pool! Das Gelände befindet sich umgeben von Grün am Rande der Stadt, hat einen kleinen Shop in dem man organischen Honig aus Eigenproduktion kaufen kann und ein kleines Restaurant mit allerlei veganen Speisen.

Auch diese Stadt besticht mit ihrem kolonialen Charme. Da uns die Mittagssonne etwas zu heiss ist, um die Strassen zu Fuss zu erkunden, machen wir eine Tour mit dem Sightseeing Bus. Normalerweise ein absoluter Graus, war in diesem Fall schon nur der Fahrtwind, die 2 CHF für das Ticket wert. Wir lehnen zurück und versuchen, mit dem Spanisch des Guides mitzuhalten, denn eine englische Version scheint es nicht zu geben, sind aber auch schon zufrieden damit, die schönen Kirchen und Plazas an uns vorbeiziehen zu sehen.

In der Morgendämmerung geht es weiter. Ein wenig ausserhalb der Stadt wartet eine weitere Touristenattraktion der besonderen Art auf uns. Die Cenote Suytun hat insbesondere wegen des gepflasterten Stegs, der bis in die Mitte der Höhle führt und um Mittag herum durch das kleine Loch in der Decke angeschienen wird, weltweite Bekanntheit erreicht. Wir sind schon vor den offiziellen Öffnungszeiten dort und werden zu unserer Verwunderung schon hereingelassen. Also steigen wir die steilen Treppen hinunter und haben das riesige Wasserloch fast für uns alleine. Zumindest für zwei Minuten. Dann ist es vorbei mit der Romantik. Zu dutzend kommen die selbst gekürten Influencer die Treppe hinuntergerannt, dicht gefolgt vom Blitzlichtgewitter der Ehegatten / Fotografen. Wir schauen noch ein paar Minuten zu, wie die offensichtlich zuvor im Hotel einstudierten Posen zum Besten gegeben werden, verziehen uns dann aber voller Fremdscham in Richtung Ausgang.

Zum Glück haben uns befreundete Camper, die schon ein wenig weiter sind als wir, einen Geheimtipp weitergegeben. Die Cenote MuulichiTs’ono’ot befindet sich ganz in der Nähe der Maya Ruinen von Coban. Versteckt im Wald fahren wir ganze viermal an der Einfahrt vorbei, bis uns der unscheinbare Wegweiser auffällt. Nach einem Kilometer über einen holprigen Waldweg werden wir sehr herzlich von drei indigenen Senioren begrüsst. Einer der drei wirft den Generator an, der das Licht im Innern der Höhe mit Strom versorgt, der andere führt uns zur steilen Wendeltreppe und kassiert ein paar Pesos Eintritt von uns ein. Wir gehen die steile und rutschige Treppe hinunter und sind mutterseelenallein. Die Stimmung ist unheimlich. Jeder Tropfen, der von der Felswand auf die glatte Wasseroberfläche trifft, durchbricht die Stille wie ein Paukenschlag. Trotz der Scheinwerfer, die auf das glasklare Wasser gerichtet sind, klafft da, wo der Boden sein sollte, ein schwarzes Loch. Wir müssen uns ein paar Mal laut sagen, dass es keine Seemonster gibt, danach steigen wir hinein. Das Wasser ist erfrischend, schon beinahe kühl. Nach ein paar Minuten legt sich die Nervosität und wir lassen uns regungslos an der Wasseroberfläche treiben.

Auf die Ruinen von Coban haben wir uns schon lange gefreut. Nicht wegen der Ausgrabungsstätte an und für sich. Dafür haben wir schlichtweg schon zu viele Maya Ruinen gesehen. Der wahre Grund für unsere Vorfreude sind die Fahrräder, die man dort leihen kann, denn die einzelnen Tempel und Häuser liegen relativ weit auseinander. Die Liste der Dinge, die wir von Zuhause vermissen, ist lang; Fahrradfahren ist aber definitiv in der Top 10! Wir schwingen uns auf die Drahtesel und kurven lässig im Dschungel herum. Später hüpfen wir zur Abkühlung nochmals in eine Cenote.

Wir nähern uns der Touristenhochburg Cancun. Eigentlich wollten wir erst gar nicht Halt machen, unsere Bremsen mussten nach dem versäumten Termin beim Mechaniker in Merida aber dringend überholt werden und Cancun ist nun mal die grösste Stadt in der Gegend. So machen wir uns nach einer schrecklich lauten Nacht am einzigen öffentlichen Strand in Cancun auf zu einem VW Mechaniker und lassen Melvan da. Mit einem Uber gehen wir in die Innenstadt. Nachdem wir sicher eine Stunde versuchen, der Stadt etwas Schönes abzugewinnen, geben wir auf und waren im Starbucks um die Ecke, bis die neuen Bremsbeläge drauf sind. Danach nichts wie weg hier!

Die grosse Überraschung kommt 10 Kilometer später, als ich auf der Autobahn wegen eines Staus bremsen muss, Melvan aber unbekümmert mit 80 km/h weiter auf die Kolonne zurollt. Mit aller Kraft presse ich nun meinen Fuss auf das Bremspedal, was den gewünschten Effekt hat und halte gerade noch rechtzeitig, um einen Unfall zu vermeiden. Auf dem nächsten Parkplatz finden wir dann heraus, dass der Mechaniker die Bremsen zu eng aufgezogen hat, was zur Überhitzung der Bremsflüssigkeit geführt hat. Dieser zeigte sich am Telefon auf den Fehler angesprochen, jedoch wenig bekümmert und bietet uns einen Termin für Montag an. Verärgert und immer noch geschockt lehnen wir ab und suchen uns einen anderen Mechaniker.

Da wir das Wochenende überbrücken müssen und nicht weit fahren können, ohne dass die Bremsen streiken, warten wir notgedrungen im nächsten Dorf. Vallarta stellt sich glücklicherweise als kleine Oase zwischen Cancun und Tulum heraus, in die sich nur wenige Pauschaltouristen verirren. Wir finden einen Campground inmitten eines Waldes und unternehmen Tagesausflüge zu den nahegelegenen Cenotes. So bekommen wir nicht nur unsere Bremsflüssigkeit, sondern auch unsere Nerven wieder etwas runtergekühlt.

Nach getaner Arbeit beim Mechaniker machen wir uns erneut auf den Weg nach Tulum. Wir parken auf einem öffentlichen Parkplatz, auf dem wir auch die Nacht verbringen werden, und wollen am Strand auf das überstandene Bremsdisaster anstossen. Wir setzten uns in eine Bar und warten erst eine ganze Weile, bis sich der Kellner zu uns bemüht. Er reicht uns die Karte und als wir den Preis für ein Bier sehen, fällt uns beiden gleichzeitig die Kinnlade runter. Dem Kellner dürfte unsere Reaktion nicht entgangen sein, denn er doppelt gleich noch mit der Bemerkung nach, dass der Mindestkonsum bei 80$ liegt. Wir ergreifen die Flucht.

Am nächsten Morgen besuchen wir dann noch die Ruinen von Tulum. Auch hier sind wir wieder vor der offiziellen Einlasszeit am Eingang und auch hier werden wir hereingelassen. Die Ruinenstadt unterscheidet sich zu denen, die wir bisher gesehen haben darin, dass sie direkt am Meer gebaut ist, ansonsten sind die Tempel aber wenig spektakulär. Wir spazieren noch ein wenig herum, bis sich die Anlage mit Touristen füllt und gehen dann Richtung Ausgang. Dort staunen wir nicht schlecht, als wir die Schlange sehen, die sich mehrere hundert Meter von der Kasse bis zum Parkplatz zieht. Was würden wohl die Maya davon halten?

Weg, weg, nichts wie weg von hier! Von Cancun nach Tulum fühlte sich für uns an wie vom Regen in die Traufe. Wir haben genug! Wir erhoffen uns in Mahahual von den Horden Touristen entfliehen zu können. Das kleine Dorf lebt zwar ebenfalls vom Tourismus, die Atmosphäre ist aber einiges entspannter. Wir quartieren uns auf einem Campingplatz einer lokalen, äusserst herzlichen Familie ein und erkunden die Gegend. Als wir erneut einen Fahrradverleih sehen, zögern wir nicht lange. Die nächsten Tage cruisen wir die Promenade rauf und runter, gehen schnorcheln oder liegen faul in unserer Hängematte.

Bacalar hat unser Herz im Sturm erobert. Dabei fing alles so unscheinbar an. Völlig unterzuckert, weil wir wie so oft vergessen haben zu frühstücken bevor wir losfahren, kommen wir in Bacalar an. Wir gehen ins nächstbeste Restaurant und bestellen uns einen Veggie-Burger, eine Seltenheit in Mexiko. Wohl genährt fahren wir zum Campingplatz, den wir uns vorher online recherchiert haben. Die Besitzerin begrüsst uns herzlich und führt uns herum. Der Platz ist direkt an der traumhaft schönen, türkisblauen Lagune, weshalb wir auch gleich in unsere Badesachen schlüpfen und uns erst mal abkühlen gehen. Das Wasser ist angenehm erfrischend und unglaublich klar. Es ist lange her, dass wir in Süsswasser gebadet haben. Als wir uns auf dem Steg trocknen, kommen wir mit einigen unserer Mitcampern ins Gespräch. Vom Bob Dylan Double bis zum 80. jährigen Chigolo ist alles dabei. Eine sensationelle Mischung. Wir verabreden uns für später zum BBQ und gehen erst mal die Stadt erkunden.

Die Erinnerung an die nächsten Tage verschwimmen ineinander. Wir machen jeden morgen Yoga, paddeln mit dem Kayak oder SUP auf den See um den Sonnenaufgang zu beobachten, lernen viele interessante Leute kennen und verbringen die heissen Mittagsstunden am oder noch lieber im Wasser. Und so vergessen wir beinahe, dass sich unsere Zeit in Mexiko langsam dem Ende zuneigt.

Wir können es selbst kaum fassen, dass wir nun schon fast sechs Monate hier in Mexico sind! Bevor es aber über die Grenze nach Belize geht, wollen wir in Chetumal den lange geplanten Service nachholen und auch ein Grosseinkauf ist noch geplant, denn die Lebensmittelpreise, so haben wir gehört, sind auf der anderen Seite der Grenze ein x-faches teurer als in Mexico. Wir bringen Melvan also zu einem Mechaniker und sind froh, dass er ausser den Zündkerzen nichts zu beanstanden hat, die wir aber auch sogleich ersetzten.

Nach getaner Arbeit fahren wir weiter zu Chedraui, dem Supermarkt unseres Vertrauens, und kaufen so viel ein wie noch nie zuvor auf unserer Reise. Auf dem Parkplatz räumen wir den gefüllten Einkaufswagen mit Müh und Not in unsere Küchenschränke um. Zum Bersten voll fahren wir los, bis auf der Hauptstrasse plötzlich gar nichts mehr geht. Wir schaffen es gerade noch, bis an eine freie Stelle am Strassenrand zu rollen, danach ist fertig. Melvan macht keinen Wank mehr. Ein wenig verärgert rufen wir unseren Mechaniker an, der vor wenigen Stunden noch meinte, alles sei in bester Ordnung und erklären ihm unsere missliche Lage, woraufhin er sich auf den Weg zu uns macht. 20 Minuten später meint er dann, die Batterie sei tot. Wir haben Mühe ihm zu glauben, denn bevor wir Melvan zu ihm gebracht hat, hat alles einwandfrei funktioniert. Aber sei es drum - uns bleibt nichts anderes übrig, als seiner Expertise zu vertrauen. Wir fahren gemeinsam zu AutoZone, kaufen eine neue Batterie und lassen sie auch gleich auf dem Parkplatz von ihm installieren. Uns siehe da, Melvan schnurrt wieder, als wäre nichts gewesen.

Ein wenig beunruhigt sind wir dennoch. Was, wenn Melvan ein paar Kilometer nach der Grenze erneut streikt? Garantieansprüche können wir vergessen und auch dass der Mechaniker nur für uns eine Landesgrenze überquert, scheint uns unwahrscheinlich. Nur verständlich, dass wir am nächsten Tag trotz Probefahrt mit mulmigem Gefühl an die Grenze fahren. Unsere Nervosität ist uns scheinbar anzusehen, denn die Grenzbeamtin, welcher wir die Touristensteuer bezahlen sollten, drückt beide Augen zu und lässt uns ziehen, denn wir haben nicht genug Peso Bargeld mehr in den Taschen. Wir erhalten die Ausfuhrpapiere für Melvan, zwei Stempel in den Pass und schon befinden wir uns im Niemandsland auf einer Brücke zur Grenze von Belize.



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