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Oregon

Traumhafte Strände, eine Hauptstadt in die wir uns verliebt haben und ein kleiner Reisebegleiter. Oregon verwöhnt uns in jeglicher Hinsicht.


Wer sich noch an den letzten Beitrag erinnern kann, weiss, dass wir ein kleines Mäuseproblem hatten. Das kleine Biest hat sich zwar in den darauffolgenden Nächten ein oder zwei Mal blicken lassen, zu fassen bekommen haben wir es aber natürlich nicht. Nachdem wir alle unsere Lebensmittel luftdicht in unsere Reisetasche verpackt und auf dem Dach verstaut haben und das immer noch nichts genützt hat, sehen wir uns zu drastischeren Mitteln gezwungen. Eine Mausefalle muss her. Nachdem wir im Baumarkt vergeblich nach einer humanen Käfig-Lösung suchen, greifen wir zur klassischen Todesfalle. Scheinbar sind die Amerikaner nicht so zimperlich in der Schädlingsbekämpfung wie wir. Bestückt mit einem Käsekrümel stellen wir die Falle scharf und platzieren sie nahe vom Standort, an dem wir die Maus zuletzt gesichtet haben.

In den Tagen, die wir bis Portland fahren, sind wir etwa so gespannt wie die Falle selbst, ob uns die Maus in die Falle tappt. Tatsächlich hören wir aber in der Nacht kein Mux mehr und auch sonst gibt es kein Anzeichen vom blinden Passagier. Die Maus scheint den Braten, oder in diesem Fall den Käse, tatsächlich gerochen zu haben und ist rechtzeitig von Bord gegangen. Uns soll es recht sein, wollten wir dem flauschigen Tierchen von Anfang an nichts antun und so verstauen wir die Falle ungebraucht, als wir in Portland, genauer gesagt im angesagten Künstlerviertel Alberta ankommen. Den Tipp dort hinzufahren haben wir von Nicole, einer gemeinsamen Freundin aus der Schweiz, die schon lange in Portland lebt, zusammen mit vielen anderen bekommen. Nach der langen Fahrt gönnen wir uns ein paar exzellente Tacos am Foodtruck um die Ecke, schlendern danach die Strassen auf und ab, schauen dem bunten Treiben auf der zu und halten nach einem geeigneten Übernachtungsplätzchen Ausschau, welches wir dann auch in einer Quartierstrasse finden. Wir stellen Melvan dort ab und machen uns wieder zu Fuss auf die Suche nach einem Restaurant, indem wir Abendessen können, denn mittlerweile ist es schon ganz schön spät geworden. Wir finden eine Pizzeria, die noch ganz gut besucht aussieht, setzten uns und geben auch gleich unsere Bestellung auf. Als dann das Monstrum einer Pizza kommt, staunen wir nicht schlecht. Gute 40 cm Durchmesser und 10 cm hoch! Ein zweiter Blick auf die Speisekarte, die an der Wand hängt, klärt die Situation. Da stehet eben nicht nur „Pizza“, sondern „Pizza Pie“. Auch wenn das Ding so aussieht wie ein Mozarella-Fondue in Kuchenteigpfanne geben wir der amerikanischen Haut-Cuisine eine Chance und langen kräftig zu. Die erste Bisse schmecken auch ganz akzeptabel, nach nur wenigen Gabeln weicht der Geschmack aber dem alles übertönenden Sättigungsgefühl, dass sich breit macht. Bis wir fertig sind schwitzen wir aus jeder Pore unseres Körpers. Zum Glück haben wir uns vorher entschieden uns eine „Pizza“ zu teilen, denn wie ein einzelner Mensch so eine Portion herunterbringen soll ist uns nach wie vor schleierhaft. Mit Magenschmerzen bezahlen wir uns sind froh, als wir uns im nicht weit entfernt geparkten Melvan hinlegen können.

Am darauffolgenden Tag brechen wir gleich als Erstes zu unserer Unterkunft auf. Wir haben beschlossen ein paar Tage zu bleiben und da sich in Städten im Auto dann doch nicht so gut schläft, haben wir uns entschieden, uns diesen Luxus auch in Zukunft in solchen Situationen zu gönnen. Wie immer freuen wir uns auf die heisse Dusche, Wäsche zu waschen und uns frei in einem privaten Bereich bewegen zu können. Schon witzig was man alles so vermisst, wenn man eine Weile in der Natur unterwegs war. Jetzt aber erst mal nach Downtown, die Stadt erkunden. Dank Nicoles Tipps haben wir, anders als bei anderen Städten, schon eine ziemlich gute Vorstellung, was wir unternehmen wollen. Wir wühlen uns durch die zahlreichen Secondhand Läden, finden tatsächlich das eine oder andere Modestück zu einem reisekassenverträglichen Preis, laufen kilometerweise trendige Strassenviertel ab, entspannen ab und an in kleinen Cafés und geniessen den urbanen aber sehr entspannten Vibe von Portland. Uns gefällt die Stadt unheimlich gut und wir können gut nachvollziehen, weshalb es Nicole dauerhaft hier hinverschlagen hat. Und auch wenn wir gerne noch ein bisschen geblieben wären, zieht uns das Nomaden-Leben wieder auf die Strasse.

Wir fahren weiter nach Depoe Bay, einem Dorf an der Küste, dass uns von anderen Reisenden wärmstens empfohlen wurde. Tatsächlich finden wir ein nettes, verschlafenes Dörfchen an der Küste vor, wie es uns beschrieben wurde. Unser Blick schweift aber schnell vom Dorf in Richtung Meer, denn darin befindet sich der Grund, weshalb wir eigentlich da sind. Die Bucht ist nämlich unter Walbeobachtern ein echter Geheimtipp, denn die Meeressäuger halten sich hier das ganze Jahr über relativ nahe an der Küste auf. Tatsächlich geht es keine zehn Minuten bis wir die ersten Fontänen sehen, die ein Wal mit seinen zwei Jungen in die Luft schiessen. Gespannt schauen wir dem Treiben im Wasser zu und so vergeht der Nachmittag.

Und so fahren wir, immer der einsamen Küste Oregons entlang. Die Strände sind umwerfend schön, das Wetter bessert mit jedem Kilometer, den wir nach Süden fahren und wir beginnen langsam die Strapazen, die wir in Washington noch hatten, zu verdauen. Es erstaunt uns immer wieder, wie grossen Einfluss das Wetter auf unser Gemüt hat. Umso schöner, dass wir die Grenze zu Kalifornien mit heruntergekurbeltem Fenster passieren können, weil das Thermometer auf angenehme 20 Grad gestiegen ist. Als das Fenster auf der Beifahrerseite allerdings ganz unten ist, streckt Livia mir mit grossen Augen die abgebrochene Fensterkurbel entgegen. Wir lachen beide, deuten es als gutes Zeichen und fahren, in Sachen Reparaturen sichtlich abgebrüht, unbekümmert weiter. Welcome to the golden state!

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